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Gedanken und Erlebnisse aus dem Leben eines Informatikers.

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Die Sache mit der Distanz

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In vielen Beziehungen kommt es irgendwann mal zu dem Punkt, in dem ein*e Partner*in mal etwas mehr Abstand braucht. So lange das nur vorübergehend ist, zerstört es das herrschende Gleichgewicht vermutlich auch nicht. Aber es kann auch sein, dass es sich ein wenig hinzieht.
In manchen Polybeziehungen kommt dann erschwerend dazu, dass man auch noch regelmäßig sehen muss, wie jemand anderes eben keine Distanz bekommt. Es ist selbstverständlich, dass man nicht immer ein gleichbleibendes Verlangen nach einem Menschen hat und insbesondere in Polybeziehungen äußert sich das eben durch ein temporäres Ungleichgewicht. Ich denke damit hat man auch üblicherweise kein Problem, wenn man sich auf eine Polybeziehung eingelassen hat.

Trotz allem kann diese beschriebene Ausgangssituation einen in eine Endlosspirale abwärts führen, wenn man nicht aufpasst.
Es ist eine Situation, die ich auch in Monobeziehungen schon erlebt habe und dort leicht zum Ende der Beziehung führen kann. Einer von beiden kommt eben nicht mehr mit der Situation klar, sobald sie einmal aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Der übliche Ablauf besteht darin, dass der*die Partner*in zeitweise nicht so viel Lust auf einen hat und sich lieber mit anderen Menschen und Dingen umgibt. Das ist total in Ordnung, aber wenn dann noch Situationen hinzukommen, in denen man selbst aus Gründen der Umwelt auch nur ein bisschen Zuneigung gebrauchen könnte und diese nicht bekommt. Und man dann noch beobachtet wie andere Menschen diese Zuneigung bekommen. Dann ist das bei mir zumindest immer der Auslöser, in dem ich dann unglücklich werde. Ich habe kein Problem mit Ungleichheit. Meistens gibt es ja trotzdem ein Gleichgewicht darin. Ich habe ein Problem damit, wenn andere Menschen in einer gleichen Beziehungskonstellation Dinge bekommen, die ich mir gerade sehnlichst wünsche. Ich denke in diese Situation kann man sich sehr gut hineinversetzen. So eine Situation dürfte jedem bekannt sein. Meistens wird es als Eifersucht interpretiert, obwohl ich hier deutlich unterscheiden würde. Stört einen bei Eifersucht schließlich die Tatsache, dass jemand auf eine bestimmte Art und Weise behandelt wird, hier stört jedoch, dass man selbst nicht so behandelt wird.

Zurück zu unserer Abwärtsspirale: Man selbst fühlt sich nicht mehr so super glücklich, schließlich hat man gerade mehr oder weniger Bedürfnisse, die unerfüllt bleiben. Irgendwo spielt sicherlich auch das Gefühl mit ungerecht behandelt zu werden. Auch wenn das natürlich absurd ist, schließlich hat man ja weder die Garantie noch das Anrecht auf eine jedwede Behandlungsweise. Und gerade bei Polybeziehungen lebt man doch die Freiheit, dass man selbst wie der*die Partner*in seine eigene Gefühle frei ausleben darf. Man vertraut und weiß, dass der*die Partner*in auch wieder Lust auf einen selbst haben wird. Man weiß irgendwo doch ziemlich sicher, dass es nur ein vorübergehendes Problem ist.
Trotz allem kann sich das noch weiter verschlimmern, wenn sich der*die Partner*in durch die veränderte Gefühlslage in einem unter Druck setzen lässt. Man ist nicht mehr so glücklich, man strahlt nicht immer, wenn man ihn*sie sieht. Man reagiert nicht mehr so fürfreudig oder neutral, wenn man mal eine Absage bekommt oder von Plänen hört, die man am liebsten selbst gerne hätte. Und das ist ja auch normal. Es erwartet ja niemand von einem, dass man auch dann, wenn man selbst gerade nicht so gut drauf ist, stets glücklich und gut gelaunt ist. Und wer kann einen denn in dieser Hinsicht beeinflussen, wenn nicht der*die Partner*in?!

Er*Sie fühlt sich unter Druck gesetzt. Das führt bei vielen Menschen zu einer Schutzreaktion. Man distanziert sich, geht auf Abstand. Auch das ist normal. Aber auch wenn man selbst gerade so mit der Ungleichheit der Situation klar kommen würde. Bei einer erhöhten Distanz kommt jede*r irgendwann ins Straucheln. Und dann wird man noch unglücklicher, fühlt sich noch schlechter. Hat Phasen in denen man emotionslos irgendwo rumliegt oder depressiv abdriftet.
Und in solchen schwierigen Phasen wünscht man sich dann noch sehnlicher, dass der*die Partner*in einen einfach in den Arm nimmt. Es ist ein Teufelskreis. Es wird nicht besser.
Man weiß genau, als wäre es der eigene Name: Die Person, die einen aus diesem Loch retten könnte, kann gerade einfach nicht für einen da sein. Und trotzdem sehnt man sich nur nach dieser erlösenden Umarmung, die eine Ewigkeit andauern sollte.

Ich weiß bis heute nicht, wie ich mit einer solchen Situation umgehen soll. Ich war schon ein paar Mal in (Mono-)Beziehungen in ähnlichen Situation und die Beziehung ging daran bisher immer zu Grunde. Ich habe stets andere Verhaltensweisen ausprobiert. Es spielt keine Rolle, ob man eine Weile keinen Kontakt hat, sich aus dem Weg geht, seine Gefühle kommuniziert oder das tut was der*die Partner*in von einem wünscht. Das Ergebnis war bisher leider immer das selbe.
Vermutlich ist das auch der Grund, wieso ich inzwischen leicht panisch und etwas ängstlich auf solche Situationen reagiere. Auch als Optimist gelangt man immer mal wieder zu dem Punkt, an dem man sich kein gutes Ende vorstellen kann. Und am Ende tut man eben das, womit man selbst gut leben kann. Und man selbst ist eben, wie man ist.
Die charakterlichen Merkmale eines Menschen bleiben nun mal vorhanden, auch wenn sie einen gerade unglücklich machen.
Als kommunikativer Mensch kann man nicht einfach still sein. Und als emotionaler Mensch blieben die Emotionen eben auch vorhanden. Und auch als Schauspieler*in, würde man nicht die Kraft haben so lange falsche Emotionen vorspielen zu können.

Ich schätze man braucht in solchen Situationen ein wenig Glück und auf jeden Fall Geduld. Es wird irgendwann den Punkt geben, in dem man nur noch die Möglichkeit sieht, sich selbst zu distanzieren, um sich selbst zu schützen. Aber man sollte dann auf gar keinen Fall den richtigen Zeitpunkt verpassen, in dem man wieder damit aufhört. Das ist die erhebliche Schwierigkeit daran.
Ich selbst bin gerade an einem ähnlichen Punkt. Ob es das richtige ist, weiß ich nicht. Aber das weiß man im voraus selten, nicht wahr?
Macht das nicht den Reiz am Leben aus? Das Ungewisse?

Nehmen wir Anlauf, schließen die Augen und springen von der Klippe ins Wasser! Oder vielleicht doch nicht die Augen verschließen? Schließlich möchte man seine Abenteuer ja auch sehen und erleben und nicht nur spüren. Wozu springen, wenn man den spektakulären Flug nicht erleben kann?

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